Zeitgeschenke

Es ist schon eine Weile her, dass ich hier einen Artikel geschrieben habe. Nun ja, es ist generell schon eine Weile her, dass ich Zeit dafür hatte. Und da wären wir auch schon beim heutigen Thema:

Zeit, oder wie wenig wir die Zeit (unsere und die der anderen) zu würdigen wissen.

In der Welt, in der wir heute leben, gehört Zeit zu unseren kostbarsten Gütern. Und wir verkaufen sie – schlecht. Ja, teilweise verramschen wir unsere Lebenszeit für mickrig bezahlte Jobs an undankbare Arbeitgeber oder sind selbst diese (oft nicht absichtlich) undankbaren Arbeitgeber. Dieser Zustand sorgt in der Regel für massive Unzufriedenheit, welche wir wiederum, in der uns verbliebenen Zeit, durch den Konsum von Dingen, die wir eigentlich nicht benötigen, kurzfristig verdrängen. Dafür benötigen wir natürlich das Geld, welches wir für diese Jobs bekommen. Je weniger wir für unsere wertvolle Lebenszeit bezahlt bekommen, desto unzufriedener werden wir und geben womöglich mehr Geld aus, als wir haben, um dieses Unzufriedenheitsloch irgendwie zu stopfen. Somit versklaven sich einige von uns vollends diesem System. Man ist gefangen in einem kapitalistischen Konstrukt, aus dem ein Entrinnen nur schwer möglich ist, da es dafür sehr viel Disziplin und Kraft benötigt, die wir, ausgelaugt wie wir sind, meist gar nicht mehr aufbringen können.

Außer dem »Konsum von Dingen«, gibt es natürlich noch andere Wege diesem (morbiden) Alltag zu entkommen. Hobby nennt man das. Auch dieses kann Unmengen von Geld verschlingen. Im besten Fall aber »nur« Zeit. Für manche von uns ist das sogenannte Hobby, jedoch ihre eigentliche Berufung. Etwas, was mehr ihren Begabungen, Fähigkeiten und Interessen entspricht als das, womit sie die meiste Zeit Ihres Lebens verbringen müssen, um das Geld zu verdienen, was sie zuviel ausgeben, um diesen widerlichen Umstand zu verdrängen. In ihrer freien Zeit also malen sie, nähen sie, tanzen sie, bauen sie, musizieren sie, schreiben sie … usw. Und das nicht selten auf professionellem Niveau. Und jetzt kommen wir zum nächsten Kapitel der Ausbeutung…

Während also Menschen in ihrer kostbaren Freizeit Kunst erschaffen, die wiederum von anderen konsumiert wird, erhalten sie für diese Arbeit keinen müden Cent. Das wäre sicher nicht einmal so schlimm, aber es gibt leider auch kein Danke oder eine Anerkennung in irgendeiner Form. In dieser »Geiz ist geil!«-Generation wird nur noch versucht, so viel wie möglich zu konsumieren und so wenig wie möglich dafür zu leisten. Was sich wiederum aus dem oben beschriebenen, morbiden Kreislauf erklärt. Die Ausrede: »Na, die machen das ja nur als Hobby, zu ihrem eigenen Vergnügen«, ist zwar nicht falsch, aber dennoch blind, ungerecht, egoistisch und nur eine weitere Form der Ausbeutung.

Denn mal ganz ehrlich, was hätten wir denn noch ohne diese Menschen? Menschen, die ihre wenige Zeit dafür aufbringen, etwas zu erschaffen, womit wir unserem Alltag entfliehen können? Nur die Naiven glauben, dass z.B. die Bücher in der Buchhandlung von Autoren geschrieben werden, die davon leben könnten. Es bliebe uns nur noch das stumme und hirnlose Kaufen (Konsumieren) von Dingen, welche wir eigentlich nicht benötigen.

Also bitte, liebe Menschen dort draußen, fangt doch wieder an, Respekt zu zeigen – für Euch, für eure Arbeit, für eure Zeit – für euer Gegenüber, dessen Arbeit und dessen Zeit. Ein simples Danke, reicht oft schon.

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, diesen Artikel zu lesen und Bitte, gern geschehen.

Eure Joan

3 Kommentare

  1. Neulich habe ich mir mal wieder einen Zeichenblock zugelegt…in der Hoffnung, an vergangene Zeiten anknüpfen zu können, als das „Rhinocerus“ von Albrecht Dürer noch eine „Fingerübung“ war.
    Das vormalige Studien- und jetzige Arbeitsleben fraß und frisst einfach zu viel- ob ich will, oder nicht. Vor allem die kostbare Muse musste mehr als einmal ihr Haupt herhalten.

    Gefällt 1 Person

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