Being more, with less?

Es ist schon wieder zu lange her, dass ich einen Blog-Artikel geschrieben (und veröffentlicht) habe. Nicht der Mangel an Themen ist das Problem, das Gegenteil ist der Fall. Glaube ich …

Soll ich über mein wiederentdecktes Interesse am minimalistischen Lebensstil schreiben? Wie ich damit vorankomme? Wie ich als Autorin davon profitiere. Was andere Menschen unter Minimalismus verstehen, warum man dafür  kein Veganer sein muss und was für seltsame Absurditäten diese, zum Trend gewordene (oft falsch verstandene), Lebensweise hervorbringt? Das wäre auf jeden Fall ein paar Worte wert.

Oder wie wäre es mit meiner kürzlich gemachten Flohmarktentdeckung. Ein »Deutscher Sprachführer« für Beamte von 1938, der überraschenderweise ein faszinierender Guide für wirklich gute und klare deutsche Sprache ist. Im Kern eine Anklage gegen alles, was wir heutzutage als sogenanntes Beamten- oder Behördendeutsch (inzwischen auch Journalisten-Deutsch) kennen. Ein Sprachführer, der langen und umständlichen Sätzen den Krieg erklärt. Der mit Nachdruck den Hauptsatz wieder zum Hauptsatz bestimmt, und den Nebensatz in seine Schranken verweist. Dieser »Sprachratgeber« von 1938 beinhaltet die gleichen Empfehlungen und Richtigstellungen, wie das 2011 erschienene Sachbuch »Deutsch für junge Profis – wie man gut und lebendig schreibt« von Wolf Schneider (welches übrigens in jeden Autorenschrank gehört, wie ich finde). Wer hätte das gedacht?

Und was ist mit weltpolitischen Themen? Oh, wo sollte ich da nur beginnen?

Und dann wäre da noch dieses (sehr persönliche) Thema über das ich schreiben könnte. Diese eine Sache, die eigentlich mehr als nur ein paar Worte wert ist.
Drei Sekunden an Werktagen … das ist genau die Zeit, die sich unsere Blicke treffen wenn wir aneinander vorbeigehen. Seit achtzehn Monaten. Letztlich ist es eine Tortur. Mein Herz hämmert bereits, wenn ich am S-Bahnhof Friedrichstraße aus der Bahn steige. Regelrecht schwindlig wird mir bei dem Gedanken daran, ihn gleich wiederzusehen. Warum? Nun offenbar ist hier eine höhere Macht im Spiel (es sei an dieser Stelle betont, dass ich an so etwas nicht glaube … eigentlich), denn egal welchen Zug ich morgens nehme (zu spät, zu früh, den richtigen) – wir begegnen uns immer. Das ist eigentlich nicht möglich – ich habe es durchgerechnet. Und egal wie viele Menschen sich mit uns auf dem schmalen Gehweg in Berlin-Mitte entlangdrängeln – wenn wir uns entdecken, verschwindet alles Andere – Geräusche, Menschen, Fahrradfahrer (gefährlich!) … Wie ist das möglich? Es sind gerade einmal sechshundert Meter auf denen wir uns begegnen können, und wir verpassen uns nie. Ist das Kitsch und kann das weg? Ich weiß es nicht.
Was ich jedoch weiß, ist, dass ich diese Zeilen nicht nur schreiben, sondern auch veröffentlichen kann, ohne mich für meine kleine Straßenaffäre entschuldigen zu müssen. Denn mein Freund, mit dem ich wohlgemerkt seit zehn Jahren zusammenlebe, hat noch nie etwas von mir gelesen (so wird er auch das hier nicht lesen). Er liest eben nicht und interessiert sich auch nicht dafür, was ich schreibe. Bisher hat mich das ja nicht gestört. Bisher …

Also was ist es nun, das mich zur Zeit so sehr bewegt, dass ich einen Blog-Artikel darüber schreiben möchte? Es könnte sein, dass alles, was ich in diesem Artikel geschrieben habe „zusammengehört“. Vielleicht geht es ja um’s – mehr sein, mit weniger: weniger Dinge, weniger Worte, weniger Politk, weniger Desinteresse … Vielleicht.

Eure Joan

5 Kommentare

    1. Das ist natürlich möglich. Allerdings scheint sein Geschäft dann wirklich, wirklich, wirklich … gut zu laufen, seinem äußeren Erscheinungsbild nach zu urteilen. Sollte ich die Branche wechseln? ;)

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          1. Ich trinke so gut wie keinen Alkohol. Also scheint es auch ohne zu funktionieren. ;-)

            Schau mal bei Ikea….äh…..einem bekannten, schwedischen Möbelhaus vorbei.
            Die haben so etwas bestimmt!

            *an der Glühbirne herumschraub*

            Gefällt 1 Person

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